Literarisches über unsere Tischlerei
ie werden es vielleicht kaum glauben, aber über unsere Tischlerei gibt es Literarisches:
Die Mundart-Dichterinnen Erika Riemer und Herta Fröhlich, sowie der Literat Winfried Franz Ganster haben sich über unsere Tischlerei Gedanken gemacht und diese zu Papier gebracht.
   Mit freundlicher Genehmigung der Autorinnen und des Autors dürfen wir hier die Texte veröffentlichen und bedanken uns an dieser Stelle bei den Dreien für die liebevolle Zeichnung unserer Arbeit!

 


 

 

Wold und Holz
Mundartgedicht von Erika Riemer

Wir brauchen Wold und Holz so sehr.
Dos Leben ohne Wold, is schwer.
Für Papier, Textil und Chemie
wird das Holz gebraucht wie nie.

Pflanzt du an Wold, braucht er fost 100 Joahr,
dann is er schlogreif wunderbor.
Du ziagst daraus jo kan Nutzn
die Kinder werdn das Holz benutzen.

´s Holz dos braucht ma, is ganz gwiss
weil es uns sehr von Nutzen is.
Als Rohstoff is Holz ganz wichtig.
Schon´ den Wold, dann mochst es richtig.

Oder wüllst im Winter frieren?
Ohne Holz kann des passieren.
Baust a Haus is Holz unentbehrlich
mit vül Holz gebaut is herrlich.

Der Dochstuhl, der braucht ah a Holz,
auf den bin ih besonders stolz.
Aus Holz san Türn und Böden gmocht.
Ih sog da ans, Holz is a Procht.

Und kimmt a Kindal auf de Wölt,
a Wiegn aus Holz wird in Stubm gstöllt.
Is de Wiegn aber scho recht olt
und sie dir gor net mehr so gfollt,

schau in d` Antiquitäten-Tischlerei,
Bernhard Valta mocht s' wieda nei.
Wenn Holzwürmer am Holz nogen,
Bernhard hüft, muaßt net vazogen.

Wenn sie dih trogn zua letzten Ruah,
legn´s dih in Holzsorg, nogln eahm zua.
Kimmst unter de Erd, zerfollst recht bold.
Aus der Erdn wochst wieder a Wold.

(Erika Riemer 4-2014)

 

© 2014. Alle Rechte vorbehalten. Alle Rechte bei der Autorin.


 

 

Da Valta repariert's
Mundartgedicht von Herta Fröhlich

Letztens bei der Mitzi-Tant,
haben wir amol den Dachboden g`ramt.
Da haben wir gschaut, des glaubst du net,
wos so a oltes Weib aufhebt.

Alte Glasln, alte Schuah
und Romanheftln hot`s a no gnua,
ausgschlagene Häferln, alte Kleider
und Stoffrestln - ihr Mann war Schneider.

A alte Schneiderpuppn und a Voglsteign,
jo sogoar a olte Geign.
Des olles und no sehr vü mehr,
sie hat ja nie wos gebn her.

Aber dann, ganz hint im Wink'l,
verramt von allerhand Gerümpel,
grod durt, wo i wül rostn,
durt is gstandn: der alte Kostn.

Zuerst hob'n wir glaubt, der g'heat a weg,
aussi muaß er, aus sei'm Versteck.
Mia hob'n ihm aussi zaht ins Licht,
wo ma holt no besser sicht.

So bei mir hob i gedocht,
wenn do a Tischler vielleicht wos mocht
könnt der goar net schlecht ausschaun,
ma miassat sich nur zuwietraun.

Glei hoben wir mit`n Valta g`redt,
der kennt sich aus, der is net bled.
Der hat uns g'sagt, des zahlt sich aus,
wird zwar net billig, aber i mach was d'raus

Er hat'n in sei Werkstatt g'führt
und wir worn g'spannt, wos do d'raus wird.
Längare Zeit, hobn wir dann nix gheart,
und haben uns sölba a net g'scheart.

Noch a paar Woch'n
hoben wir gedocht,
jetzt schau ma amol noch,
wos wull unsa Kostn mocht.

Wir san zum Valta in die Werkstatt g'fahr'n,
Gott sei Dank war er daham,
Er wor sehr freindlich, "Kommen`s rein,
i werd' glei bei Ihnen sein.

Do hinten steht er, ihr Kosten,
er is schon fertig, nur die Politur muss noch rost´n."
Wir haben uns umg'schaut und da haben wir gsehn,
an wunderschenan Kosten in der Werkstatt stehn.

Des soll unser Kasten sein, des gibt`s jo net,
fein beinand bis zum letzten Brett!
Drum hobt`s a oltes Möbel, miaßt's zum Valta geh'n,
der repariert's und macht`s wieder schön.

 

© 2002. Alle Rechte vorbehalten. Alle Rechte bei der Autorin.


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Als ich die Tür öffnete ...

Winfried Franz Ganster

Es liegt schon viele Jahre zurück, da fiel mir in einem Hof in der Nähe „meiner“ damaligen Wohnung ein älterer Mann auf. Sein schütteres Haar zierte nur mehr einen schmalen Streifen oberhalb seiner Ohren. Meist sah man ihn schmunzelnd und mit einer filterlosen Zigarette im Mundwinkel. Einige Male, als ich vorbei kam, stand er rauchend vor einer hölzernen zweiflügeligen Eingangstüre einer Werkstätte. Unmittelbar daneben eine Schlichtung aus verschiedengroßen Brettern und ein olivgrüner Motorroller der Type KTM-Ponny. Seitlich zierten einige kräftiggrüne Grasnarben den nicht asphaltierten, sondern nur mit Schotter befestigten Hof. 

Etwa zur gleichen Zeit, es war irgendwann zu Beginn der 70er Jahre, lernte ich in der Schule einen Jungen kennen. Er war einer von denjenigen, die nicht im Rampenlicht stehen wollten, einer, der nicht erst große Sprüche „klopfen“ musste, um in der Klassengemeinschaft Anerkennung zu finden. In den ersten Jahren unseres gemeinsamen Lernens nahmen wir uns lediglich zur Kenntnis. Aber irgendwann, ich glaube es war im Laufe unserer gemeinsamen Hauptschulzeit, entdeckten wir einander. Das Interesse an Musik, das Interesse an komischen Dingen, an Nonsens, brachte uns einander näher. 

Die Werkstätte im unasphaltierten Hof schloss ihre Pforten und übersiedelte in ein, in der Nähe, neu errichtetes Hochhaus, mit zehn oder mehr Stockwerken. Untergebracht im Erdgeschoss dieses Riesenquaders, fand man Zugang über eine Holzrampe, durch eine mit zwei großen Glasfüllungen versehene Metalltüre. 

In zwei, zirka fünfundzwanzig Quadratmeter großen, überhohen Räumen standen drei oder vier von der Arbeit schwer gezeichnete Hobelbänke und eine Vielzahl an bunt befleckten Schragen und Auflageböcken. In den unterschiedlichsten Längen hingen da und dort jede Menge von Schraubzwingen, mit bunten, meist rot lackierten Holzgriffen. An den Wänden waren verschließbare hölzerne Werkzeugkästen befestigt, bestückt mit in unterschiedlichen Farben gekennzeichneten Werkzeugen. Auf den Fensterbänken standen mit Flüssigkeiten gefüllte Gläser und Becher, bespickt mit Pinseln in den verschiedensten Größen. Im hinteren Teil der Werkstätte befand sich in einem schmalen, länglichen Raum die Toilette mit einem kleinen Handwaschenbecken. Auf der Ablagefläche des Beckens stand die untere Hälfte einer aufgeschnittenen, weißen, mit einer Mischung aus Seife und Sägespänen gefüllten Kunststoffflasche. Durch die Verwendung dieses Gemisches war es möglich, die Hände und Finger von lästigen Leimresten und anderen Verunreinigungen zu säubern. 

Es begann sich der Kreis der Bilder, die sich im Laufe der Jahre aneinandergefügt haben, zu schließen. Der einstige Schulfreund hatte hier sein zu Hause und dieser alte Mann, mit dem schütteren Haar und der meist filterlosen Zigarette im Mundwinkel, war also sein Vater, ein sogenannter Kunst- und Antiquitätentischler. Eine seltene Zunft in dieser Zeit, denn wer konnte sich schon Antiquitäten leisten? In einem damals „normalen“ oder kleinbürgerlichen Haushalt waren eher neue, moderne, billigere Möbel zu finden. Solche die man damals zum Beispiel bei den Firmen Gmoser, Leiner, Loran, (und anderen) zu kaufen bekam. Ich denke da an die unterschiedlichsten Wohnzimmerschränke, zweieinhalb bis dreieinhalb Meter lang, zirka zweimeterzehn hoch. Diese guten Stücke waren bestenfalls in Nuss furniert, hatten eingebaute Abdeckungen für Lautsprecherboxen und in der Mitte eine Ausnehmung für eine Stereoanlage. Meist war auch noch eine kleine Hausbar mit einem Glasfach und einem Spiegel als Rückwand integriert. Damals kamen auch voluminöse Polstermöbel in Mode. Ebenso typisch waren die nostalgisch wirkenden Küchenverbauten mit ihren, in Pastelltönen gehaltenen hellblau-, gelb-, und rosafarbigen Türchen und Läden. Nicht selten mussten solche Einheiten kunststofffurnierten, mit Hochschränken versehenen Reginaküchen oder ähnlichen Fabrikaten, Platz machen. Standard waren auch die weiß emaillierten Standherde von Elektra Bregenz und anderen Erzeugern. 

Mit Sicherheit waren es keine Antiquitäten, die uns bei unseren häuslichen Möblierungs- und Verschönerungsversuchen zur Verfügung standen. Auf Grund dieses Umstandes waren mir daher auch kaum die Hilfsmittel und Werkstoffe, die im Zusammenhang mit der Erhaltung und Resteration antiker Möbelstücke in Verwendung standen, bekannt. Nicht der Geruch von Politur, nicht der Bimsstein und nicht das Quellmittel zum Auftragen und Abziehen von Schellackpolituren. 

Der Antiquitätentischler und seine Familie, seine Frau, seine Töchter und Söhne, hatten etwas besonderes an sich. Es war eine eigenwillige Form der Zurückhaltung, der Bescheidenheit und Unaufdringlichkeit. In ihr existierte auch eine eigene Art von Humor – wurde eine eigene Lebensphilosophie gelebt. 

Im Laufe der Zeit entstand zwischen uns so etwas wie Beziehung und Freundschaft. Mit den Jahren lernte ich in der Werkstatt auch einige Arbeiten kennen. So staunte ich über das geschickte abziehen von schadhaften Schellackpolituren, über das sorgfältige und liebvolle ausbessern von Intarsien, staunte über das Stabil-Leimen von scheinbar nicht mehr renovierungswürdigen (uralten) Stühlen, Tischen, Kredenzen, Vitrinen, Kommoden und was sonst noch alles aus den unterschiedlichen und meterhohen Möbelstapeln ans Tageslicht gekramt wurde. Ich staunte auch immer wieder über die relativ geringe Anzahl an Werkzeugen, die zur fachgerechten Ausführung der einzelnen Tätigkeiten notwendig waren. Zuerst war es nur ein Staunen und Zusehen, doch nach einiger Zeit der Beobachtung durfte auch ich einige male selbst Hand anlegen und wunderschön furnierte Flächen mit der Klinge abziehen. Es machte Spaß einwenig mitzuwirken. Im Laufe der Jahre gewann ich einen besonderen Zugang zu dieser Arbeit und zu diesen Möbelstücken. Heute fünfundzwanzig Jahre später, stehen mittlerweile auch in meinem – unserem Wohnzimmer wirklich alte – „antike“ Möbelstücke. 

An irgendeinem Tag im Jahre 1977 öffnete ich die Tür zur neuen Werkstätte. Es roch nach Politur. Der Antiquitätentischler stand neben einem aufgekippten Kasten - es war ein Biedermeierstück. In der rechten Hand hielt er einen Ballen, der in kreisenden Bewegungen über die Seitenwand des Kastens glitt. Die linke Hand in der Hüfte, blickte er mit Aufmerksamkeit auf die Fläche die schon ein zartes samtmattes Glänzen wiedergab. Er war vertieft in seine Arbeit. Im Hintergrund ertönte Musik des Senders Ö3. Es war diese Sendung zwischen fünfzehn und sechzehn Uhr. Wie hieß sie doch gleich? Ja richtig, Music - Box. Er folgte mit kritischem Gehör den Beiträgen und genoss die Musik von Eric Clapton. Meinen Gruß erwiderte er mit ruhiger Stimme.
„.... Servas“. 

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Impressum: © 2002. Alle Rechte vorbehalten. Alle Rechte beim Autor.


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